Veröffentlichungen

Viele Zeugen

von Günter Weber vom 19.03.2004 in Münstersche Zeitung (Kreis Steinfurt)

Münster/Burgsteinfurt - Auch am 7. Verhandlungstag im Prozess gegen einen 44-jährigen Kosovo-Albaner, der am 21. September 2003 bei einer Schießerei an der Ochtruper Straße ein Blutbad anrichtete und sich deshalb wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht Münster verantworten muss, hörte die 2. Große Strafkammer mehrere Zeugen. Diesmal waren es Polizeibeamten, die einige Tatzeugen gleich nach dem Geschehen, bei dem vier Personen angeschossen und schwer verletzt wurden, vernommen hatten.

Die Beamten bestätigten der Kammer, dass die Zeugen bei ihren ersten Vernehmungen ihre Aussagen so getätigt hatten, wie sie in den Ermittlungsakten stehen. Sie konnten sich auch nicht erklären, warum es jetzt im Zuge der Hauptverhandlung so zahlreiche widersprüchliche Einlassungen gebe.

Schwerpunkt der Aussagen sei jedenfalls, dass sich die "Opferfamilie" vor der blutigen Auseinandersetzung auf die Ankunft der "Täterfamilie" vorbereitet habe. Unabhängige Zeugen, die weder zu der einen noch anderen Seite gehörten, hatten im Gerichtssaal ausgesagt, dass die "Opferfamilie" sich Schlagstöcke und andere Werkzeuge parat gelegt hätten und seien sofort auf die Ankömmlinge losgegangen.

Dieser bisherige Stand kommt den Verteidigern des 44-jährigen Albaners sehr entgegen. Die beiden Rechtsanwälte gehen nämlich davon aus, dass ihr Mandant vom Vorwurf des versuchten Totschlags freigesprochen wird und nur wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz zu bestrafen sei.

Die Nebenklagevertreterin stellte allerdings einen Beweisantrag, dem die Kammer nach eingehender Beratung zustimmte. Die Begründung: Eine Zeugin, die mit einem Familienangehörigen der Opferfamilie früher befreundet war, soll die Unwahrheit gesagt haben. Das würde durch die Aussage eines neuen Zeugen bestätigt werden.

Der Vorsitzende wies aber vorsorglich darauf hin, dass ein Verleugnen dieses angeblichen früheren Freundschaft nicht zwingend dazu geeignet sei, dass die gesamte Einlassung damit nicht mehr für die Beweisaufnahme verwertbar sei.

Am 25. März steht der vorletzte anberaumte Verhandlungstag an. Ob es dann auch zu den vorgesehenen Plädoyers des Staatsanwaltes, der Nebenklagevertreterin und der Verteidiger kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher. Web

Als Nebenklagevertreterin tätig: Rechtsanwältin Ulrike Baumann

 

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.