Veröffentlichungen

Tatvorwurf der sexuellen Nötigung nicht nachzuweisen

von Günter Weber vom 10.11.2005 in Münstersche Zeitung

28-Jähriger wurde freigesprochen

Münster. Um ihre Entscheidung war gestern die 8. Große Strafkammer nicht zu beneiden. Die Richter und Schöffen mussten darüber befinden, ob der 28-jährige Angestellte aus Münster, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt war, auf einer Wohnungseinweihungsparty an einer volltrunkenen jungen Frau am 24.,.August 2003 sexuelle Handlungen durchgeführt hat, beziehungsweise sie ihm nachzuweisen sind. Schließlich hatte die Geschädigte aufgrund ihres hohen Alkoholkonsums keine Erinnerungen mehr an das Tatgeschehen.

Alkoholrausch

Die Kammer folgte nach intensiver Beratung dem Antrag der Verteidigerin und sprach den Angeklagten vom Tatvorwurf frei. Der Vorsitzende betonte, dass es in der fraglichen Nacht zwar zu dem Vorfall gekommen sei, jedoch nach der Beweisaufnahme an der Täterschaft des 28-Jährigen Zweifel bestünden.

Für den Staatsanwalt hingegen war zuvor die Beweislage eindeutig. Der 28-Jährige habe die Frau, die in einem schweren Alkoholrausch auf dem Bett lag, entkleidet und an ihr sexuelle Manipulationen vorgenommen. Wie der Anklagevertreter weiter ausführte, sei das Opfer mit Schmerzen aufgewacht. Die Frau habe Verletzungen im Genitalbereich gehabt, die bei der ärztlichen Untersuchung bestätigt worden seien. Der Angeklagte habe noch am selben Abend einem Zeugen berichtet, dass er im Nebenzimmer die Geschädigte sexuell genötigt habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.


Zigaretten gesucht

Die Verteidigerin sah das völlig anders. Die Beweisaufnahme habe keinesfalls ergeben, dass ihr Mandant, der die Tatvorwürfe von Anfang an abgestritten habe, der Täter sei. Er habe in dem Zimmer seine Zigaretten gesucht, die betrunkene, halbbekleidete Frau auf dem Bett gesehen und geschockt das Zimmer verlassen. Lediglich darüber habe er mit jemandem sinngemäß gesprochen. Dieser Zeuge habe sich in der Hauptverhandlung erheblich widersprochen. Sie forderte Freispruch.

Als Verteidigerin tätig: Rechtsanwältin Ursula Knecht

 

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.