Veröffentlichungen

Nie wieder Kokain genommen

von Sven Betting vom 14.05.2007 in Westfälische Nachrichten (Kreis Steinfurt)

Münster/Borghorst. Am Schmuggel von 800 Gramm Kokain vom niederländischen Maastricht nach Borghorst soll er beteiligt gewesen sein: Ein bereits über 20 Mal wegen Verkehrs- und Drogendelikten vorbestrafter 53-jähriger Familienvater aus Borghorst muss sich seit gestern vor dem Landgericht Münster wegen Drogenschmuggels in acht Fällen und illegalen Drogenhandels im Jahr 2003 verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft seiner 45-jährigen Ehefrau und einer weiteren 41-Jährigen eine Beteiligung an den Taten vor. Die Staatsanwaltschaft legt dem 53-Jährigen zur Last, gemeinsam mit einem weiteren Mann, der vom Landgericht bereits zu einer Haftstrafe von über vier Jahren verurteilt worden ist, bei den acht Fahrten jeweils 100 Gramm Kokain geschmuggelt zu haben.

Laut Anklage soll der Mann auch am Verkauf der Drogen beteiligt gewesen sein. Eine Summe von 20 000 Euro soll er mit dem illegalen Handel verdient haben. Die 45-jährige Ehefrau sowie die 41-Jährige Verlobte des bereits verurteilten Täters sollen bei mindestens einer Schmuggel-Fahrt den Wagen gesteuert haben.

Die drei Angeklagten zeigten sich beim Prozessauftakt gestern geständig: Nach der Verhaftung und den 64 Tagen in U-Haft, sagt der Angeklagte, „wurde mir klar, dass ich mein Leben ändern muss“. Der 53-Jährige, der wie die beiden Frauen selbst Kokain schnupfte, betonte, nicht am Verkauf der Drogen beteiligt gewesen zu sein. Er sei lediglich mitgefahren und wurde dafür jeweils mit rund fünf Gramm Kokain für den Eigenbedarf bezahlt. Die 45-Jährige Ehefrau sagte aus: „Das passiert mir mit Sicherheit nicht noch einmal. Ich will mit Drogen nichts mehr zu tun haben.“ Sie habe für ihre Fahrt nach Maastricht nichts bekommen. Von ihrem Mann habe sie für den „Fahrdienst“ Kokain erhalten. Die drei Angeklagten wollen seit den Verhaftungen selbst nicht mehr zu der Droge gegriffen haben. Mit Blick auf die Eheleute fragt der Richter, warum bei den gefährlichen Taten „nicht an die beiden Kinder gedacht worden wäre“. Der 53-Jährige: „Ich habe mir damals über die Konsequenzen keine Gedanken gemacht.“

Die 100 Gramm, die in Maastricht von einem Dealer Namens „Max“ gekauft wurden, bezahlte der bereits Verurteilte mit rund 4000 Euro. Für 80 Euro das Gramm soll er die Drogen an Bekannte weiterverkauft haben. Mitfahrer habe er nur gebraucht, weil er „Angst hatte, alleine zu fahren“, sagte der Angeklagte. Die Schmuggelware sei in den Niederlanden in Gefrierbeuteln verpackt und in einer Radkappe des Wagens versteckt nach Deutschland geschmuggelt worden. Der Angeklagte: „Wir hatten nie vor mit den Drogen im großen Stil zu handeln.“ Der Richter hakt nach: „Haben sie jemals selbst Kokain verkauft?“ – „Nein“, wiederholt der 53-Jährige beharrlich. Der Prozess wird fortgesetzt.

Als Verteidiger tätig:     Rechtsanwalt Jürgen Knecht

Rechtsanwältin Ulrike Baumann

Rechtsanwältin Ursula Knecht