Veröffentlichungen

Juweliergeschäft mit Sprengstoff geknackt?

von Günter Weber vom 17.03.2006 in Münstersche Zeitung

Münster. Erneut muss sich die 3. Große Strafkammer am Landgericht Münster mit einem Angeklagten befassen, der vermutlich ein Mitglied der berühmt berüchtigten polnischen "Blitzeinbrecherbanden" ist. Dem 30-jährigen Piotr Z. wird zur Last gelegt, am 4. Dezember 1997 vor dem Juweliergeschäft Oeding- Erdel eine Sprengstoffladung gezündet zu haben, um anschließend aus den zerstörten Schaufensterauslagen Schmuck zu rauben. Die Täter flüchten damals ohne Beute hinterließen aber einen Gebäudeschaden in Höhe von 430 000 Euro.

Der Angeklagte stritt die Tat ab. Er war jedoch von einem Landsmann, der vor zwei Jahren von der 3. Großen Strafkammer wegen Einbrüchen in Münster, Köln und Leverkusen zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, als Täter, der den Sprengstoff gezündet habe, bezichtigt worden. Als Belastungszeuge machte er zum Prozessauftakt jetzt aber einen Rückzieher. Er sagte aus, dass er den Angeklagten zwar kenne, aber dieser habe mit der Tat nichts zu tun.

Der Staatsanwalt und der Vorsitzende drohten dem Zeugen nun mit einem Verfahren wegen Falschaussage. Die Kammer unterbrach die Verhandlung, um dem Zeugen die Gelegenheit zu geben, noch einmal über seine Einlassung nachzudenken. Doch er blieb bei seiner Aussage. Er betonte, dass er in seiner Anklageschrift den Namen des heutigen Angeklagten gelesen und diesen dann auf Anraten seines Rechtsanwaltes als Mittäter genannt habe. Das Gericht wird demnächst den Anwalt des Zeugen hören, da dieser ihn von der Schweigepflicht entbunden hat.

Erst im Dezember 2005 war ein Landsmann des Angeklagten, der an dem Einbruch im Mai 2004 auf das Juweliergeschäft Oeding-Erdel am Prinzipalmarkt beteiligt war, zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Bei diesem Überfall hatten die Täter an einem gestohlenen Auto einen Pfahl befestigt und damit das Rollschutzgitter zertrümmert. Sie erbeuteten damals edle Uhren im Wert von über 230000 Euro. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. .WEB

Als Verteidiger tätig: Rechtsanwalt Jürgen Knecht

 

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.