Veröffentlichungen

Gegenläufige Plädoyers im Prozess gegen Müllsammler

von Karin Völker vom 18.04.2019 in WN
Details: t.wn.de

Angeklagter ist "ein Systemsprenger"

Wie die WN berichtete, wurden die Plädoyers gehalten in dem Prozess gegen einen Münsteraner, dem die Staatsanwaltschaft Beleidigung und Bedrohung in mehreren Fällen sowie Körperverletzung vorwirft.

Der Staatsanwalt folgte den Ausführungen des Sachverständigen und argumentierte, der Angeklagte sei bei Begehung der Taten vermindert schuldfähig gewesen aufgrund einer psychischen Erkrankung. Der Angeklagte sei auch gefährlich für die Allgemeinheit und müsse daher in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden, parallel dazu sei er für die Taten mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr 10 Monaten zu verurteilen.

Auch der Staatsanwalt äußerte Zweifel an Teilen der Aussage der geschädigten Nachbarin, insbesondere im Zusammenhang mit ihrer Behauptung, mit einer Fußmatte geschlagen worden zu sein.

Die Verteidigerin hielt die Angaben dieser Zeugin, die von einer Polizeibeamtin mit "übersteigertem Geltungsbedürfnis " beschrieben worden war, ebenfalls für teilweise unrichtig. Auch der Sachverständige hat die Verteidigung nicht überzeugt, hier hatte die Anwältin Zweifel an der Diagnose dargelegt und an der Feststellung der verminderten Schuldfähigkeit. Sie hielt vor allem die Begründung der Gefährlichkeit des Angeklagten wie sie der Sachverständige vorgenommen hatte, für methodisch falsch. Von der Verteidigung wurde beantragt, den Angeklagten zu einer angemessenen Geldstrafe zu verurteilen.

Das Urteil soll am 09.05.2019 ergehen.

Als Verteidigerin tätig: Rechtsanwältin und Fachanwältin für Strafrecht Ursula Knecht