Veröffentlichungen

Freispruch erster Klasse

von Günter Weber vom 10.06.2006 in Münstersche Zeitung

Münster - Das war schon ein "Freispruch erster Klasse", mit dem ein 27-jähriger Taxifahrer gestern den Gerichtssaal verließ. Trotz der Einschätzung einer Sachverständigen, dass die 18-jährige Muslimin, die laut Anklage von ihrem damaligen Verlobten in der gemeinsamen Wohnung in Münster gefesselt und vergewaltigt worden sein soll, eine glaubwürdige Aussage machte, kam die 1. Große Strafkammer am Landgericht gestern zu einem ganz anderen Ergebnis. Sie hatte erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers und sprach den 27-jährigen, aus Kabul stammenden Angeklagten vom Vorwurf der sexuellen Nötigung frei.Der Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt den Tatvorwurf abgestritten und betont, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich erfolgt. Er war ebenso wie seine Eltern nach der Auflösung der Verlobung von einem Racheakt seiner Ex-Verlobten ausgegangen. Das schien auch das Gericht zu glauben. Jedenfalls betonte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung, dass die Einlassung des Angeklagten nachvollziehbar sei. Vor allem die Aussage der Geschädigten zum Verhandlungsbeginn, dass sie in nächster Zeit nichts mehr mit Männern zu tun haben will, die sich aber zwei Tage vor dem Prozessauftakt erneut verlobt hatte, habe bei der Kammer große Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin hervorgerufen. Die Tatsache ihrer neuen Verlobung habe sie bewusst verschwiegen.

Verteidiger: Rechtsanwalt Jürgen Knecht

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.

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