Veröffentlichungen

Drogenhandel: Haft und Entziehungskur

von Günter Weber vom 31.03.2006 in Münstersche Zeitung

47-Jähriger deckte sich in Rotterdam ein

Münster. Ohne ein Zeichen der Regung nahm der 47-jährige Angeklagte, der zusammen mit seinem Beifahrer (40) aus Münster Rauschgift aus Holland nach Deutschland schmuggelte, das Urteil der 8. Großen Strafkammer entgegen.

Das Gericht verhängte wegen unerlaubter Einfuhr und Handels mit Betäubungsmitteln eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Die Kammer folgte auch der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, nach dessen Überzeugung von dem Angeklagten weitere Drogendelikte zu erwarten sind, und ordnete die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an.

Da der Angeklagte auch unter Drogeneinfluss gefahren war und ein Auto für Straftaten benutzt hatte, entzog das Gericht ihm den Fühererschein und verhängte eine Sperre von zwei Jahren.

Fahrten nach Rotterdam

Der Vorsitzende schilderte noch einmal das Tatgeschehen. Demnach fuhr der Angeklagte zusammen mit seinem 40 Jahre alten Beifahrer aus Münster in der zeit von Mai bis Oktober 2005 zehn Mal mit einem Leihwagen nach Rotterdam, um bei einem Marokkaner Rauschgift zu erwerben. Bei den Fahrten waren jeweils 50 bis 100 Gramm Heroin und fünf Gramm Kokain im Darm versteckt über die Grenze transportiert worden.

Zugunsten des Angeklagten werteten die Richter das geständnis dews Mannes, der lediglich bei der Menge der geschmuggelten Drogen einige Abstriche gemacht hatte. Die Einlassung des Angeklagten, dass er an den Drogengeschäften nichts verdient hätte, weil er 60 Prozent benötigt und nur den Rest weiterverkauft habe, glaubte die Kammer.

Einschlägig vorbestraft

Strafmildernd fiel auch ins Gewicht, dass aufgrund des Drogenkonsums zum Tatzeitpunkt die Steuerungsfähigkeit des 47-Jährigen erheblich eingeschränkt war. Zu seinen Lasten wertete die Kammer, dass der Mann bereits einschlägig vorbestraft ist.

Der Angeklagte war auf seiner zehnten Schmuggelfahrt am 20. Oktober 2005 von einer Zivilstreife observiert worden, die das Fahrzeug von Rotterdam bis Münster verfolgte. Einer der Beamten sprach von "haarsträubenden" Verkehrsdelikten. "Als wir ihn stoppten, hatte ich das Gefühl, dass er gar nicht alles mitbekam. Sein Gesicht war blass, es sah aus wie eine Totenmaske", erklärte der Zeuge.

Der Beifahrer des Angeklagten, ein Bürohelfer, muss demnächst mit seinem Verfahren rechnen.

Als Verteidigerin tätig: Rechtsanwältin Ulrike Baumann

 

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.