Veröffentlichungen

Angeklagter: Habe Bombe nicht gezündet

von Günter Weber vom 24.03.2006 in Münstersche Zeitung

Münster - Der 30-jährige Pole Piotr Z., dem ein Sprengstoffanschlag am 4. Dezember 1997 auf das Juweliergeschäft Oeding-Erdel am Prinzipalmarkt zur Last gelegt wird, blieb auch am zweiten Verhandlungstag vor der 3. Großen Strafkammer bei seiner Aussage, dass er die Bombe nicht gezündet habe.

Er betonte gestern, dass er zum Tatzeitpunkt in seiner Heimat in Polen gewesen sei und dort zur fraglichen Zeit an einem mehrtägigen "Lehrgang zum Personenschutzbeauftragten" teilgenommen habe. Das könnten mehrere Zeugen bestätigen. Der Verteidiger stellte daraufhin den Antrag, die Ehefrau des Angeklagten, seinen Bruder und einen Angestellten eines Restaurantbetriebes, in dem er gearbeitet habe, für den nächsten Verhandlungstag als Zeugen zu laden. Die Kammer gab dem Antrag statt.

Der Staatsanwalt erklärte in Richtung des Angeklagten, dass es für die aus Polen einreisenden Zeugen Ärger geben würde, wenn es sich herausstelle, dass sie die Unwahrheit sagen. Dann würden sogar Festnahmen drohen.

Zuvor hatte der Vorsitzende aus einem Brief zitiert, den die Ehefrau des Angeklagten ihrem Mann geschrieben hatte. Unter anderem war zu lesen, dass "ein Zeuge bereit wäre, für 3000 Euro eine Aussage zu machen."

Zu Beginn der Verhandlung hatte die Kammer den Anwalt des früheren Hauptbelastungszeugen gehört, der bereits vor zwei Jahren wegen verschiedener Einbrüche in Münster, Köln und Leverkusen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden war.

Der 37-jährige Pole hatte in seinem Prozess 2004 den Angeklagten als Mittäter benannt, aber seine Aussage widerrufen, weil ihm in diesem Prozess vor der 3. Strafkammer sein Verteidiger aus taktischen und strafmildernden Gründen dazu geraten hätte.

Der Rechtsanwalt erklärte allerdings, er könne sich nicht daran erinnern, dass der damals mit seinem Mandanten darüber gesprochen habe, wie er sich diesbezüglich verhalten solle.

Der Prozess wird am 3. April fortgesetzt. Dann sollen die neuen Zeugen aus Polen gehört werden. - WEB

Als Verteidiger tätig: Rechtsanwalt Jürgen Knecht

 

Veröffentlichung des vollständigen Presseberichtes mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung des freien Journalisten Günter Weber.